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18. Januar 2021

Der erste Überlandflug mit Extra-Tour

Wenn man im Zuge der Pilotenausbildung für Gyrocopter schon einige Platzrunden absolviert hat und die meisten Standardmanöver schon recht gut funktionieren, ist ein aufregender neuer Schritt der erste Überlandflug.

In meinem Fall ging dieser nach Pirmasens.

Nicht nur ein anderer Flugplatz, mit einer entsprechend anderen Platzrunde als gewohnt, sondern auch eine navigatorische Herausforderung - schließlich fliegen wir den Tragschrauber während der Ausbildung zum Tragschrauberpiloten ohne GPS, also nur mit Karte und Kompass.

Entsprechend war ich zwei Tage vorher schon etwas aufgeregt als folgende SMS eintraf:

„Es geht an deinem nächsten Trainingstag nach Pirmasens! Kursberechnung zeichnen, NOTAMS prüfen und Wettervorhersage studieren“ lautete die kurze Mitteilung von meinem Fluglehrer.

Okay! dachte ich, dann legen wir mal los.

Den Kurs von Hand zu ermitteln bedeutet, dass der direkte Kartenkurs (sprich die Luftlinie) von einem Flugplatz zum anderen gezeichnet wird. Hierbei muss man auch den vorherrschenden Wind beachten, damit man nicht abgetrieben wird und sein Ziel verfehlt. Auch die benötigte Treibstoffmenge ist in dieser Berechnung dabei, denn Gegenwind erzeugt längere Flugzeiten.

Anhand der Wettervorhersage wird die Windstärke und Windrichtung ermittelt, das sogenannte Winddreieck fertig gezeichnet und die entsprechenden Daten für den Gyrocopterflug ermittelt. Perfekt!

Auch ein Blick auf den Zielflugplatz via Internet-Kartendienst gehört dazu, ebenso wie die Sichtanflugkarte welche auch die Funkfrequenzen des Platzes enthält.

Nach dem Vorflugcheck des Tragschraubers und dem Einsteigen in die Maschine folgen noch der Motor-Start-Check und das Anmelden im Funk beim Tower.

Startbahn frei und schon geht es nach einer Aufwärmplatzrunde Richtung Pirmasens!

Mit der Flugkarte in einer speziellen Hülle wird der berechnete Kurs abgeflogen. Wer nun meint, „Ist ja einfach nur geradeaus, eben Luftlinie“, der irrt. Denn unterwegs sind neben der Orientierung, die in der Luft ganz anders ist als am Boden, auch folgende Dinge wichtig:

Immer eine mögliche Notlandefläche im Auge haben und auf Landmarken achten die einem den Weg weisen. Da ist es normal das eine ausgedehnte Waldfläche umflogen werden muss - hier möchte niemand im Notfall landen!

Während des Fluges fragte mein Fluglehrer ob wir den Saarbrücker Flughafentower anfunken sollen. Also richtige Frequenz einstellen - Kurs und Höhe beibehalten und schon kam die Antwort vom Tower. Erstaunt waren wir als uns der Tower fragte ob wir Lust hätten mit unserem besonderen Luftfahrzeug zu Übungszwecken einen Überflug über die Landebahn zu machen.

Klar hatten wir Lust und änderten den Kurs Richtung Flughafen Saarbrücken.

Als wir in den Endanflug einbogen wurden wir mit voller Landebahnbeleuchtung empfangen und flogen im Überflug und Richtung Tower winkend einmal über die, für unsere Verhältnisse riesige, Bahn.

Was ein Erlebnis!

Der Tower bedankte sich bei uns (eigentlich hatten wir zu danken!) und wir verabschiedeten uns nach Pirmasens.

Einen kleinen Flugplatz von oben zu finden ist nicht ganz leicht aber nach einer großen Kurve im Zielgebiet war die Piste entdeckt, der Tower angefunkt und schon waren wir unten.

Nach der wohlverdienten Pause ging es wieder in die Lüfte. Alle Checks durchgeführt, im Funkverkehr angemeldet, und schon standen wir wieder am Rollhalt vor der Piste und waren kurz danach wieder in der Luft.

Die Zeit verging buchstäblich im Flug und bald war es Zeit den Kurs Richtung Heimatflugplatz zu setzten.

Ein spannender erster Überlandflug ging zu Ende und wird noch lange in Erinnerung bleiben!

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