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10. Januar 2021

Wenn Funken fliegen und Flieger funken...

In unserem Beitrag Ein Tag im Leben eines Gyrocopterpiloten haben wir es schon mal angesprochen....dieses Kauderwelsch aus englischen Namen und deutschen Satzbausteinen das für Neulinge und Passagiere beim ersten Hören kaum zu entschlüsseln ist.

Heute geben wir Dir einen weiteren Einblick in die faszinierende Welt der Fliegerei, denn neben dem reinen Fliegen im Tragschrauber ist in der Luft (und auch am Boden) noch eine Fertigkeit von großer Bedeutung, die Gyrocopterflugschüler und Piloten immer wieder vor gewisse Herausforderungen stellt....der Flugfunk!

Während man im Straßenverkehr einem anderen Verkehrsteilnehmer durch Hupen oder Winken mehr oder weniger klar machen kann, was man von ihm möchte, funktioniert die Kommunikation in der Fliegerei vollkommen anders und folgt ihren ganz eigenen Regeln.

Stell Dir vor, ein Boeing-Pilot winkt einem entgegenkommenden Airbus-Piloten durch sein kleines Fensterchen zu und schaltet hektisch seine Scheinwerfer an und aus während beide mit 800km/h auf gleicher Höhe aufeinander zu fliegen. Das kann ja heiter werden....

Kurz und knapp: Im Auto wird gewunken, im Flieger musst du funken!

Da Funken aber nicht gleich Telefonieren ist, gilt es, eine goldene Regel zu beachten:
So viel wie nötig und so wenig wie möglich.

Anders als am Telefon oder einem Online-Meeting können die einzelnen Piloten nicht nach Lust und Laune alle gleichzeitig "labern". Während einer spricht, müssen alle anderen zuhören, da auf einer Funkfrequenz immer nur ein Teilnehmer sprechen kann. Man bezeichnet das Ganze auch als "Wechselsprechverkehr".

Damit auch jeder mal zu Wort kommt, müssen sich alle Teilnehmer an gewisse Regeln halten, die für eine reibungslose und effiziente Kommunikation in der Luft unerlässlich sind.

Nach der Nennung des eigenen Kennzeichens und der Kennung des Empfängers (z.B. der Tower am Flugplatz oder ein anderes Flugzeug) wartet man auf Bestätigung des Empfängers und teilt dann z.B. seine Absicht für den weiteren Flugverlauf oder seine Position innerhalb der Platzrunde mit.

Am Telefon würde das ungefähr so klingen:

Hallo....hier ist Torsten....na wie geht's?
Tach Torsten, Tim hier...jo, bei mir alles paletti, bei dir auch?
Jo, soweit....pass auf, ich muss dir was erzählen.
Was denn?
Ich war heute in Trier und habe ein paar Rundflüge gemacht. War richtig gut dort, viel los und nette Leute. Bin gerade über Saarlouis...ungefähr bei der Dillinger Hütte und dem Ford-Hochhaus irgendwas zwischen 500 Metern und 1000 Metern hoch und fliege geradeaus auf den Flugplatz zu. Gibt's da heute irgendwas zu beachten wenn ich landen will?
Ähm....nö, keine Besonderheiten....wir haben heute die Landebahn aus Richtung Saarlouis in Betrieb, es sind nur ein paar Fallschirmspringer in der Luft und irgendwo dreht ein Flugschüler seine Runden. Der fliegt den ganzen Tag schon im Kreis.
Ah, ok...dann ist ja alles gut und ich fliege mal weiter. Bin in ca. einer viertel bis halben Stunde am Boden, melde ich wieder wenn der Flieger in der Halle steht. In der Altstadt ist übrigens ziemlich viel los, die Parkplätze werden schon knapp.
Alles klar, mach das...sollen wir danach noch was Trinken gehen?
Jo, können wir machen. Wohin denn...Altstadt?
Wenn da jetzt schon so viel los ist, wird's in einer halben Stunde nicht besser. Der Ali hat doch auf, wir können uns auch gemütlich auf die Terrasse setzen. Eben hat sich noch einer per Funk gemeldet, dem nach dem Start ein Reifen geplatzt ist...den Funkenflug bei der Landung müssen wir uns angucken.
Tip top, dann treffen wir uns einfach da....Gott sei Dank haben wir mit Funken nix am Hut....bestell' mir schonmal ein Bier!
Mach ich...guten Flug und bis gleich!

Würde solch eine Konversation im Flugfunk zu hören sein, müssten sich beide Gesprächsteilnehmer im Anschluss auf sehr unangenehme Fragen sämtlicher Piloten in der Umgebung gefasst machen....zu Recht! 😉

Im Flugfunk wird das Ganze deutlich knapper gehalten und nur die wesentlichen Informationen werden durchgegeben. Dabei wird das eigene Kennzeichen im Stil des NATO-Alphabets genannt damit keine falschen Buchstaben verstanden werden. B, C, D, E, G, P, T, W hören sich im Funk fast gleich an...bei Bravo, Charlie, Delta, Echo, Golf, Papa, Tango, Whiskey gibt's jedoch keine Verwechslungsgefahr. Zusätzlich werden alle Anweisungen oder Informationen des Towers wiederholt, wodurch weitere, mögliche Missverständnisse vermieden werden und alle Teilnehmer auf der selben Frequenz können sich sicher sein, dass der betreffende Pilot (oder Fluglotse) auch alles verstanden hat.

Ein Anflug auf den Flugplatz Saarlouis mit einem Gyrocopter mit dem Kennzeichen D-MDAY klingt dann in etwa so:

Saarlouis Info - Delta Mike Delta Alpha Yankee
Delta Mike Delta Alpha Yankee - Saarlouis Info
Delta Mike Delta Alpha Yanke, Tragschrauber, VFR aus Trier, 5 Minuten nord-westlich in 3.000 Fuß, zur Landung
Delta Mike Delta Alpha Yankee, verstanden, Piste 25, Sprungbetrieb im Norden, eine Maschine in der Platzrunde
Delta Mike Delta Alpha Yankee, Piste 25, Sprungbetrieb im Norden, eine Maschine in der Platzrunde (der Pilot wiederholt die Ansage des Towers)

Kurz und knackig und wirklich nur auf das Wesentliche beschränkt. Alle Teilnehmer auf der selben Frequenz wissen jetzt wo wir uns befinden, wie lange wir noch bis zum Platz brauchen, aus welcher Richtung wir kommen und was wir vorhaben. Bis die Maschine dann endgültig am Boden ist, sind noch einige Funksprüche notwendig, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. Die Verabredung zum Feierabendbier gehört jedenfalls nicht dazu. 😉

Im nächsten Beitrag erhältst Du einen Einblick, wie wir als Flugschule das gesamte Thema Flugfunk in der Theorie und Praxis unseren Schülern beibringen, denn bekanntlich ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.

In diesem Sinne:
Tower: "Höhe und Position?"
Pilot: 
"Also ich bin 1,80 m und sitze ganz vorne links"

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